BETT demonstriert ungehört

Die weltgrößte Bildungsmesse ist die BETT. Sie findet jedes Jahr im Januar statt. 2019 ist sie gegenwärtig in London noch bis zum 26.01.2019 geöffnet. Auf der BETT treffen sich Unternehmen, StartUps und andere Akteure aus dem breiten Spektrum der Bildung.


In den deutschen Medien ist die BETT nicht präsent. Das liegt vor allem daran, das in Deutschland keinerlei Interesse besteht, die Kreidezeit aus den Klassenzimmern zu verbannen. Die technische Entwicklung unserer Klassenzimmer hörte mit der Einführung der Tageslichtprojektoren einfach auf.


Es gibt auf verschiedenen politischen Ebenen viel Heuchelei, wenn es um die Frage der Weiterentwicklung der deutschen Schulen geht. Realistisch betrachtet, wird in den Sektor seit rund 20 Jahren kein Geld mehr investiert. Es fehlt an allem. Selbst an Toilettenpapier. Wer über technische Ausrüstung von Schulen oder Schülern laut nachdenkt, der müsste erstmal den milliardenschweren Investitionsstau im Bildungsbereich beenden. Es bleibt aber bei einfachen Lippenbekenntnissen.


Das digitalste an unseren Schulen sind die Smartphones der Schülerinnen und Schüler - in den Pausen.


Die BETT zeigt zum widerholten Mal, was technisch gesehen alles machbar ist. Und während sich Google und Microsoft in den USA gegenseitig übertrumpfen, und ganze Schulen mit modernster Bildungstechnik ausrüsten, ist sowas in Deutschland schlicht verboten.


Natürlich versuchen beide Unternehmen, unseren Nachwuchs auf ihre (Produkt)Seite zu ziehen. Aber mal Hand aufs Herz: Wenn ein Unternehmen eine Schule aufrüstet, und die Schülerinnen und Schüler auf einem modernen Level lernen können, werden diese unabhängig vom elterlichen Geldbeutel ausgebildet.


Aber nicht alles gibt es kostenlos. Auch nicht bei den Digitalgiganten aus den USA. So stellte Microsoft auf der BETT einen neuen Stift vor. Den "Classroom Pen". Er ist nichts anderes als ein Stift, mit dem Eingaben auf der Oberfläche von Tablets ermöglicht werden. Der Stift ist dabei an Kinderhände angepasst, und weitaus Widerstandsfähiger als der im Handel erhältliche "Surface Pen" von Microsoft. Auch die Spitze des Classroom Pen ist deutlich robuster, als der Surface Pen. Dieser Schülerstift wird auch nur im 20iger Pack mit knapp 40,-€ pro Stift an Schulen, bzw. an Bildungseinrichtungen, verkauft.


Außerdem wurden unter anderem von DELL und Lenovo schon im Vorfeld der BETT neue Geräte vorgestellt, welche sich speziell an Schülerinnen und Schüler richten. Die in den USA unter der Bezeichnung "Edu-Devices" finden auch guten Absatz - und Schuleinsatz. Edu-Devices steht dabei für "Education Device" und bedeutet frei übersetzt "Ausbildungsgerät".


Aber nicht nur die Kinder erhalten neue Chancen mit moderner Ausbildungstechnik. Auch die Schulen selbst stehen auf der Agenda ganz oben, wenn es um die Frage der Klassenzimmerausstattung geht. So gibt es beispielsweise keine Kreide und Tafel mehr, sondern übergroße Touchscreens. Im Prinzip handelt es sich dabei um übergroße Tablets mit einer Bildschirmdiagonale von bis zu 86"Zoll - für rund 3.000€ pro Stück.


Die BETT demonstriert ungehört gegen die mangelhafte Ausstattung deutscher Schulen, und zeigt gleichzeitig die Defizite auf, welche unsere Kinder in den nächsten Jahren haben werden. Denn auf das, was auf unsere Kinder im digitalen Zeitalter wartet, bereiten wir sie nicht vor.