Unterrichtsausfall in Bayern

Eltern-Zentrum: Frau Hundesrügge, Sie sind selbst Mutter von drei Kindern. Wie oft haben Sie es erlebt, dass bei Ihren Kindern Unterricht ausgefallen ist?


Britta Hundesrügge (FDP): Sehr oft! Die Ursachen für den Unterrichtsausfall waren immer sehr unterschiedlich: Krankheit der Lehrkraft, Fortbildungen, Klassenfahrten. Insgesamt hat sich das im Laufe des Schuljahres deutlich summiert.

Wenn es sich um Randstunden gehandelt hat, viel der Unterricht komplett aus, waren die Stunden in der Mitte des Stundenplans, gab es – meist eine fachfremde – Vertretung.


Eltern-Zentrum: Die Opposition beklagt, dass in Bayern 6,2 Millionen Unterrichtsstunden im Schuljahr 2016/17 ausgefallen seien. Warum heißt es dann aus dem Kultusministerium, dass es kaum Unterrichtsausfall gäbe? Laut Kultusministerium seien nur 1,6% Unterricht ausgefallen. Wer hat denn nun Recht?


Britta Hundesrügge (FDP): Die Frage ist: wann gilt eine Schulstunde als ausgefallen? Das Kultusministerium zählt eine Vertretungsstunde nicht als ausgefallenen Unterricht, egal ob es eine Fachvertretung war oder in der Stunde Hausaufgaben gemacht werden durften. Für mich macht sich der Minister hier einen schlanken Fuß. Schüler haben den Anspruch auf Fachunterricht, sie müssen Schulaufgaben schreiben, werden geprüft. Deshalb muss die Schule sicherstellen, dass genügend fachliche Vorbereitung und Vermittlung stattfindet, ebenso Übungsmöglichkeiten. Nur ein Lehrer, der die Schüler kennt, kann individuell und zielgerichtet unterrichten.


Eltern-Zentrum: Was schlägt die FDP vor? Was wollen Sie gegen den Unterrichtsausfall unternehmen?


Britta Hundesrügge (FDP): Wir wollen natürlich mehr Lehrer! Aber damit allein ist es nicht getan. Um international nicht den Anschluss zu verlieren, müssen wir Bildung neu und erfrischend anders denken.

Dazu gehört für mich:

  1. Zwei-Fachkräfte in den Kernfächern Mathe, Deutsch und Fremdsprache. Es sind diese drei Fächer, die in den meisten Fällen zum Durchfallen führen. Betrachtet man den Nachhilfemarkt, so ist festzustellen, dass jedes 4. Kind im Alter von 12 bis 16 Jahren in diesen Fächern Nachhilfe erhält. Diese Zahl ist für mich alarmierend.
  2. Wir müssen Lernen individualisieren und auf die Bedürfnisse der Zukunft ausrichten. Dazu gehören für mich Schulen, die moderne Lernlandschaften haben, in denen teamorientierter und fächerübergreifender Unterricht stattfinden kann, Schüler immer aktiv sind und nicht passiv in kleinen Klassenzimmern wie in Mauseställen sitzen und frontal beschallt werden. Gerade die Aktivität führt zu Lernerfolgen!
  3. Die Digitalisierung ist ein Schlüssel für den Arbeitsmarkt 4.0. Ich will an dieser Stelle nicht auf Unterrichtsinhalte wie etwa Programmieren eingehen, aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es heute alles Wissen online gibt. Die Schüler müssen befähigt werden, das Wissen zu generieren und zu bewerten. Oft wird der Lehrer dann nicht mehr zum Wissensvermittler, sondern zum Moderator.


Eltern-Zentrum: Da muss ich einhaken. Heißt das: Schüler müssen nichts mehr lernen, brauchen nichts mehr zu wissen, außer wie ein Laptop oder Tablet zu bedienen ist?


Britta Hundesrügge (FDP): Sie geben sich die Antwort mit Ihrer Frage schon selbst! Um mit Laptop und Tablet und deren Anwendungen umgehen zu können, brauche ich jede Menge wissen. Einige Beispiele:

  • Um eine Excel-Tabelle aufzustellen und Aussagen daraus ziehen zu können, muss ich mehr als nur die mathematischen Grundrechenarten sicher beherrschen und zudem verstehen, wie sich Sachverhalte verknüpfen lassen. Der Computer ersetzt das Wissen nicht, er kann es aber anschaulich darstellen und kanalisieren.
  • Um einen Text in der Word-Anwendung zu verfassen, muss der Schüler über Ausdrucksvermögen und Sprachfähigkeit verfügen. Der Computer ersetzt die Geschichte und die Fachlichkeit nicht, er kann aber den Text optisch ansprechend darstellen und mithilfe der Rechtschreibfunktion auch dafür sorgen, dass weniger Fehler gemacht werden. 😊
  • Um naturwissenschaftliche Experimente beispielsweise mit einer app wie Minecraft statt im Chemieraum auf dem Tablet zu erforschen, muss der Schüler wissen, wie sich Elemente verhalten. Der Computer kann nicht wissen, wie Naturwissenschaften und Technik funktionieren, er kann das Wissen des Schülers in Animationen anschaulich darstellen, was in einem Chemieraum aus Sicherheitsgründen gar nicht möglich ist.


Eltern-Zentrum: Noch einmal für mich zum Verständnis. Die Digitalisierung dient Ihrer Meinung nach nicht dazu weniger Wissen zu erlangen, sondern mehr?


Britta Hundesrügge (FDP): Durch die Digitalisierung bekommen die Schüler viel mehr Einblicke in unterschiedliche Fachgebiete. Sie müssen sich nur nicht alles merken, weil das Wissen vorhanden ist und jederzeit verfügbar. Hierin liegt der Unterschied. Im analogen Zeitalter musste vielmehr auswendig gelernt werden. Heute geht es vielmehr darum, Wissen zu verstehen und anzuwenden.

Um nicht missverstanden zu werden, Allgemeinbildung , Geschichts-, Sozial- und Politikwissen, die Naturwissenschaften sowie Fremdsprachen gehören heute immer noch zu einer guten Bildung. Diese möchte ich nicht wegfallen lassen!


Eltern-Zentrum: Noch einmal zurück zum Unterrichtsausfall. Hat die Schule, die Sie sich vorstellen, Auswirkungen auf Unterrichtsausfall?


Britta Hundesrügge (FDP): Ja, und zwar positiv! Wenn zwei Fachkräfte in einer Klasse unterrichten, ist es sehr unwahrscheinlich, dass beide ausfallen. Somit kann Unterricht immer stattfinden. Wenn in Lernlandschaften und damit in Teams und fächerübergreifend unterrichtet wird, führt der Ausfall eines Lehrers nicht zum Ausfall der Stunde. Wir müssen Bildung neu und erfrischend anders denken!

Eltern-Zentrum: Vielen Dank für das Gespräch.


Britta Hundesrügge (FDP): Sehr gern!


Homepage: www.hundesruegge.de

facebook: Britta Hundesrügge

twitter: @bhundesruegge


    Kommentare 1

    • Ich glaube, das die meisten bei dem Stichwort "Digitalisierung" an Computerspiele denken. Das man damit auch arbeiten kann, ist den meisten doch gar nicht bewusst. Darum finde ich es sehr gut, das es wenigstens eine Partei gibt, die hier aktiv Aufklärungsarbeit leistet. Und das Thema Unterrichtsausfall ist doch nur ein Symptom für die CSU-Versäumnisse. Meine Stimme hat die FDP schon #Briefwahl