Ist die Schule reif für mein Kind?

In Bayern wird im Herbst ein neuer Landtag gewählt. Wir hatten Gelegenheit, mit der FDP-Landtagskandidatin Ulla Schäfer aus dem Stimmkreis 120 (Landsberg am Lech / Fürstenfeldbruck West) über die teilweise desolate Situation an Bayerns Schulen zu sprechen.


Eltern-Zentrum: Frau Schäfer, Sie sind selbst Mutter von zwei Kindern. Bayern schneidet im bundesweiten Vergleich stets gut ab. Was genau muss man da kritisieren?


Ulla Schäfer (FDP): Prinzipiell halte ich solche Vergleiche für Augenwischerei. Maßgeblich ist nicht das angeblich bessere Abschneiden Bayerns gegenüber mehreren oder allen anderen deutschen Bundesländern und noch viel weniger das bessere oder schlechtere Abschneiden Bayerns gegenüber europäischen oder außereuropäischen Ländern.


Wir Freie Demokraten wollen nicht die Besten in Deutschland sein, nur weil andere in Deutschland noch weniger zu bieten haben als Bayern. Wir brauchen dringend ein Bildungsangebot, dass auf die tatsächlichen Bedürfnisse der bayerischen Wirtschaft eingeht. Nur ein solches Bildungsangebot garantiert, dass sich Bayern weiterhin international behaupten kann. Das wird aber nur mit der FDP zustande kommen.


Eltern-Zentrum: Das Bildungsangebot in Bayern ist doch größer als in anderen Bundesländern. Wo sehen Sie in Bayern konkrete Defizite?


Ulla Schäfer (FDP): In Bayern haben wir exakt die gleiche Situation, die es in jedem anderen Bundesland auch gibt:


Die auf die Schule erfolgende Berufsausbildung muss riesige Defizite aus der Schulzeit ausbügeln. Eine Berufsausbildung hat dazu erfahrungsgemäß weder die Zeit noch die Möglichkeiten, die Bildungsversäumnisse aus der Schule nachzuholen.


Ich möchte das an einem konkreten Beispiel fest machen:


Jugendliche, welche zum Start der Berufsausbildung nicht die Grundlagen von MS Office beherrschen, sind für den Ausbildungsmarkt schlicht ungeeignet. Die Grundlagen von Windows, Word, Excel, PowerPoint und OneNote sollte jede Schülerin und jeder Schüler am Ende der Schulzeit - unabhängig von der Schulart - beherrschen. Jugendliche, die in Mathematik und deutscher Rechtschreibung nicht firm sind, sind genauso wenig geeignet.


Im gesamtem Bereich der digitalen Schulausbildung klafft ein gigantisches Investitionsloch, das nur mit der FDP geschlossen werden kann. Unsere bayrischen Schulen brauchen

  • kompetente Lehrkräfte in digitalen Ausbildungsfragen,
  • einen grundlegend reformierten Lehrplan, welcher den tatsächlichen Anforderungen von 2019 entspricht,
  • Lehrkräfte und Kinder brauchen einen freien Internetzugang während ihres Schulbesuchs sowie die notwendige Hardware-Ausstattung an den Schulen,
  • und Bildungseinrichtungen müssen grundsätzlich von der Störerhaftung ausgenommen werden.


Natürlich weiß ich, dass das den Freistaat Bayern und damit uns Steuerzahler eine große Summe kosten wird. Die jahrelangen Versäumnisse der CSU lassen sich aber eben nicht aus der Portokasse finanzieren.


Die wirksame Steigerung im Bildungsangebot und in der Lehrintensität an unseren Schulen wird uns nur dann gelingen, wenn der bayerische Landtag verstanden hat, dass es eben nicht ausreicht, der Beste unter den Schlechtesten zu sein. Bayern muss für die bayerische Wirtschaft, egal ob Handwerk oder DAX-Unternehmen, den geeigneten Nachwuchs an den Schulen ausbilden. Das muss unser Anspruch sein, denn nur das zählt.


Eltern-Zentrum: Lassen wir das Thema Digitalisierung. Bayern hat doch keine wirklich schlechten Schulen? Ist harte Kritik hier überhaupt angebracht?


Ulla Schäfer (FDP): Von der Theorie her ist das bayerische Schulsystem durchaus gut. Es ist aber an etlichen Punkten stark verbesserungs- und entwicklungsbedürftig.


Wenn Lehrkräften zu den Sommerferienzeiten hin gekündigt wird und diese dann zum Schulstart wiedereingestellt werden, um Geld zu sparen, dann ist das nicht nur schäbig, sondern ein Schritt in Richtung US-amerikanischer Schulverhältnisse. In den USA werden Lehrkräfte nicht durchbezahlt – dort ist es seit Jahrzehnten äußerst unattraktiv, Lehrer zu werden. Die CSU muss sich fragen lassen, warum man Lehrkräfte, die man auf jeden Fall weiterhin braucht, zwischendurch zum Arbeitsamt schickt.


Und sind wir doch mal ehrlich: Wer baut denn auf solch einem Arbeitsverhältnis eine Zukunft auf? Welcher Lehrer möchte denn dauerhaft so leben?

Der CSU geht es allein darum, die Kosten für sechs Wochen Ferien einzusparen. Dass Lehrkräfte in den Schulferien Bürotätigkeiten erledigen, das alte Schuljahr aufarbeiten und das kommende Schuljahr vorbereiten, das sieht und versteht die CSU anscheinend nicht.


Betrachtet man den enormen Sanierungsstau bei den maroden Schulgebäude, dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie hoch das Thema Bildung bei der CSU angesiedelt ist: Ziemlich weit unten!


Ich möchte unsere bayerischen Schulen auf ein Niveau bringen, dass bayerische Schülerinnen und Schüler wieder gerne in die Schule gehen. Wenn wir unsere Kinder nicht ernst nehmen, dann nehmen unsere Kinder uns später auch nicht ernst.


Bayern ist ein bildungspolitisches Brachland. Wir müssen das beenden! Darum bitte ich alle Eltern um die Erst- und die Zweitstimme für die FDP.


Eltern-Zentrum: Vielen Dank für das Gespräch.


Ulla Schäfer (FDP): Herzlichen Dank! Ich wünsche allen Eltern und ihren Kindern schöne Sommerferien.


Kandidatenwebsite von Ulla Schäfer


Zum Wahlprogramm der FDP Bayern


68-ulla.png


    Kommentare 5

    • Weil auf Facebook behauptet wurde, inhaltlich sei der Artikel nicht richtig: Presseartikel, welche zeigen, das die Schulsituation in Bayern verehrend ist! https://www.br.de/nachrichten/schule-bauarbeiten-in-der-ferienzeit-100.html https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Marode-Toiletten-gesperrte-Raeume-Sanierungsstau-an-den-Schulen-id51343251.html
    • Jepp, kann ich so unterschreiben.
    • Wir wählen dieses Jahr auch FDP. Was sich die CSU in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat, geht gar nicht. Der Hammer ist ja, das plötzlich viel Geld ist. Söder verspricht: Jeder bekommt irgendwelche Sozialleistungen. Zur Not werden neue Leistungen erfunden. Und die Ausgaben in Milliardenhöhe, müssen vorher über Steuern und Abgaben reingeholt werden. Die CSU wällst nur Geld hin und her. Aber das Thema Bildung, Schulausstattung und Infrastruktur fällt hinten völlig runter.
      • Der Ausbau der Kitaplätze ist in Bayern auch eine Farce. Die Plätze sind so teuer, das sie keiner mehr bezahlen kann. Für uns Eltern fängt das Drama an, wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht. 700€ für einen Halbtagsplatz.
    • Schönes Interview! Mir fehlt aber eine Aussage zum Thema "Rechtsanspruch auf einen Platz in der Ganztagsschule". Der FDP Spitzenkandidat hat hier etwas dazu gesagt: https://www.ovb-online.de/politik/will-asyl-ministerium-10055717.html Aber leider nichts ausführliches.