Kinder brauchen immer länger Windeln

War ein Kind vor zehn Jahren mit etwa 3 Jahren Tag und Nacht windelfrei, so brauchen immer mehr Kinder mehr Zeit um diesen Entwicklungsschritt endgültig anzuschließen. Die Mehrheit der Kinder braucht heute bis zum 6. Lebensjahr in der Nacht dauerhaft Windeln.


Die Masse der Eindrücke und Informationen lassen die Kinder in unserer immer hektischeren Welt nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Kinder haben immer weniger Zeit für sich selbst und müssen viele Entwicklungsschritte gleichzeitig erreichen. Ständig werden sie auf Leistung und Bildung gedrillt und erleben eine Welt von Leistungszwang. Eine Welt ohne Ruhephasen und ohne Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung.


Diese fatale Entwicklung setzt sich seit 20 Jahren ungehemmt fort. Und ein Ende des Wahnsinns ist nicht in Sicht. Die Folgen sind schon lange sichtbar. Und eine davon besteht darin, dass die Sauberkeitserziehung immer später abgeschlossen wird. In der Masse der vom Kind zu erfüllende Aufgaben geht die natürliche Entwicklung des Kindes unter.



Hersteller haben ihr Angebot erweitert


Die Hersteller von Windeln beschränken sich deshalb längst nicht mehr nur auf Babywindeln. Sie haben die gesellschaftliche Entwicklung mit verfolgt und produzieren längst Windelgrößen für Kindergarten- und Schulkinder. Und der Absatz ist so gut, das bereits sämtliche Windelhersteller immer größere Windeln in ihr Angebot aufnehmen.


Die meisten Kinder sind mit etwa vier Jahren am Tag sauber. Für die Nacht jedoch sind die meisten Kleinkinder noch lange auf Windeln angewiesen. Wenn auch nur noch für das "kleine Geschäft". Jene Kinder werden jedoch bis weit in die Grundschulzeit nachts einnässen. Nicht umsonst ist Enuresis im Kindesalter eine der am häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindesalter.


Kindergarten stellt sich auf die veränderte Situation ein


Erfreulich ist jedoch, dass immer mehr Kindergärten für diese problematische Entwicklung Verständnis aufbringen und sich entsprechend auf die neuen Veränderungen vorbereiten. So finden sich heute in immer mehr Kindergärten die Möglichkeit die Kinder zu wickeln. Immer öfter findet man eine Komplettausrüstung.

  • Großer Wickeltisch
  • Ausreichend Windeln in entsprechenden Größen
  • Wundschutzcreme und Feuchttücher
  • Dusche

In deutschen Kindergärten sind Windelkinder jeden Alters inzwischen etwas, das zum Alltag geworden ist.



Alarmzeichen werden ignoriert


Betrachtet man diese Entwicklung in seiner Gesamtheit, ist es als ein Alarmzeichen für unsere Gesellschaft zu verstehen. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir unseren Kindern in zu jungen Jahren zu viel zumuten. Und wir müssen überlegen, ob wir unseren Kindern die geforderten Höchstleistungen abverlangen dürfen – nicht können!


Unsere westliche Welt ist in erster Linie von Leistung und Leistungsbereitschaft geprägt. Und die Anforderungen im Berufsleben steigen jedes Jahr an. Dürfen schon Kindergartenkinder in diesen Sog des Leistungswahnsinns bringen?



Windeln sind normal


Unter Eltern zeichnet sich inzwischen ein neues Verständnis von Erziehung und der Entwicklung von Kindern ab. Ein sechsjähriges Kind zu windeln ist heute offenbar genau so natürlich und normal wie alles andere in unserem täglichen Leben.



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    Kommentare 11

    • Hallo allerseits...ich sehe das auch sehr locker...die Gesellschaft ist eh zu verbissen!


      Ich habe schon viel und oft babysittetet, und habe daher auch Erfahrung, dass auch ältere tragen, teils auch aus unterschiedlichen Gründen, bettnässen, aber auch Bequemlichkeit und weil es ihnen gefällt, aber lieber so, als wenn falsche Freunde, und oder später Alk oder Zigaretten dazu kommen, zudem fördert es die Beziehung zwischen den Kids und oft sind sie ausgeglichener und bringen eher auch in der Schule bessere Leistung, von daher...sollen sie so lange tragen, wie sie wollen, und Schnuller, wenn es hilft, warum nicht.


      Was denkt ihr, wie praktiziert ihr es, bin selbst sehr offen und ungewöhnlich ist ja das neue cool!?


      Beste Grüße aus Frankfurt.

    • Der Artikel ist sehr gut, und bildet die Realität ab. Diese Geschichten von "mit 12 Monaten trocken und Schnullerfrei" sind doch alle gelogen.
    • Wenn es soweit ist, werden alle Kinder sauber.
    • Mein Sohn ist 8 Jahre alt. Ohne Windel geht der auch heute nicht ins Bett (Bettnässer). Wickeln im Kindergarten war bis kurz vor der Einschulung nie ein Problem. Dann wurde er Tagsüber sauber. Der Kinderarzt sagt, das ich ihm Zeit geben soll, weil bei uns auch eine Scheidung eine Rolle spielt. Die Windeln zahlt inzwischen die Krankenkasse (nach langem Kampf).
      • Dein Kinderarzt hat recht: Gib ihm Zeit und kein Streß. :-)
      • Mache ich auch nicht. Er sieht ja auch süß aus in seiner Pampers ;-)
      • Windeln sind ja nicht nur etwas für Babys :-)
      • Unser Großer wird im August 8 Jahre alt. Und man darf niemanden sagen, das er immer noch Windeln bekommt. Man bricht dann eine Riesendiskussion vom Zaun.
      • Das kenn ich... Unsere Maus ist inzwischen 6 und macht keine Anstalten trocken zu werden und da erntet man schonmal blöde Blicke...
    • Ich sehe das Problem nicht. Kinder werden sauber, wenn sie soweit sind. Früher hatten wir eine andere Situation. Die größeren Windeln gab es noch nicht. Da wurden die Kinder drauf gedrillt sauber zu werden und zu bleiben. Entwicklungspsychologisch und Medizinisch ist es meines Wissens nach eh erst dann Besorgniserregend, wenn das Kind mit 7 Jahren noch nicht sauber ist. Und wenn die Kindergärten mitziehen, dann haben die ja auch verstanden, das sich hier gesellschaftlich etwas geändert hat. Nämlich das Erziehung keine Sportveranstaltung ist, bei dem ein Gewinner ermittelt werden muss.