Einnässen und Einkoten bei Kindern: Einführung

Die meisten gut gemeinten Ratschläge helfen oft nicht und sind zum größten Teil auch schlicht die falsche Reaktion auf das Einnässen des eigenen Kindes. Die Wahrheit ist, das die Eltern für gewöhnlich nichts falsch gemacht haben. Einnässen, Einkoten oder Bettnässen sind keine Fehler in der Kindererziehung.


Die meisten machen aus einem Windelkind sofort ein Baby. Denn nur Babys tragen und benutzen Windeln. Es ist eben etwas typisch babyhaftes. Ein großes Kind das Windeln trägt und auch noch benutzt, kommt vielen als etwas vor, das sie als "falsch" interpretieren. Die einfachsten Erklärungen die dafür möglich sind, werden gern ignoriert oder abgestritten.


Wer also keine Ahnung hat, der lastet dieses "falsche" einfach den Eltern an. Das ist aus dreierlei Gründen sehr beliebt. Zum einen muss man sich selbst nicht damit beschäftigen und zum anderen hat das Kind nie Schuld. Und die Eltern sind selbstverständlich vollumfänglich haftbar zu machen, und werden auch aufgefordert sich den anderen Foreneltern zu erklären. Und wehe denen, die es nicht machen. Da wird dann auch mal ganz schnell mit dem Jugendamt gedroht.



Ursachenforschung ist interessant


Als erstes spielt bei der Erforschung der wahren Ursache das Alter des betroffenen Kindes eine zentrale Rolle. Aus dem Blickwinkel der Natur ist es nämlich so vorgesehen, das der Lernprozess zur Kontrolle der Blase und des Darms bis einschließlich dem 7. Lebensjahr erfolgen soll. Mit anderen Worten: Jedes Kind das bis zum siebten Geburtstag die Sauberkeitserziehung abgeschlossen hat, ist auf dem richtigen Weg.


Ist das Kind älter als sieben Jahre – unabhängig ob Mädchen oder Junge - muss weiter überlegt werden. Zunächst muss man sich als Eltern darüber klar werden, das man auch bis hier her noch nicht unbedingt etwas falsch gemacht haben muss. Statistisch gesehen sind nämlich 10 aller Kinder im Alter von sieben Jahren noch nicht sauber. Geht man mit dem Alter des Kindes nach oben, so stellt die Statistik fest, das sogar noch 5% der Kinder nicht sauber sind, welche bereits 10 Jahre alt sind.


Gehört mein Kind also in diese Gruppe der Ursache, so ist eigentlich überhaupt nichts los. Die Ursache ist also, dass das Kind einfach länger braucht, um die Kontrolle des Darms und der Blase zu lernen. Das ist alles.


Einer der wohl größten Fehler besteht in diesem Fall übrigens darin, das die Eltern Druck ausüben. Aber nicht auf ihr Kind, sondern auf den Kinderarzt. Denn man hat sich ja als Eltern mittels Internet schlau gemacht, und heraus gefunden, das es eine Hormonbehandlung gibt, um das Bettnässen zu heilen.


Die Hormonbehandlung ist zwar möglich und hat auch Aussicht auf Erfolg, aber um welchen Preis? Da sind mögliche Nebenwirkungen, da sind zusätzliche Hormone da, da muss an die Einnahme gedacht werden und so weiter. Und dann kommt noch etwas entscheidendes: Eine Hormonbehandlung verhindert den Lernprozess bzgl. der willkürlichen Kontrolle der Blase und des Darms.


Augenscheinlich ist das Kind vom Kinderarzt "gesund gemacht worden", aber in Wirklichkeit wird der Zustand mittels Hormonbehandlung herbeigeführt. Eine Behandlung durch Hormone ersetzt aber den erforderlichen Lernprozess nicht.


Aber davon abgesehen gibt es noch zahlreiche andere Gründe, weshalb ein Kind lange – oder länger - braucht, um keine Windeln mehr zu benutzen. Hier auf Eltern-Zentrum wollen wir mit dem Thema ganz offen und unverkrampft umgehen. Deshalb werden hier im folgenden weitere Artikel erscheinen, die das Thema näher beleuchten werden.


Wir werden bei einer genaueren Betrachtung feststellen, das die meisten Ratschläge falsch oder unsinnig sind, und das wir als Eltern mehr aus dem Bauch heraus entscheiden müssen - und weniger Ratgeber zum Thema Enuresis kaufen sollten. Wir werden aber auch sehen, das die Meinung des Kinderarztes eine Rolle spielen kann, und wie wichtig die Einbeziehung des Kindes selbst sein wird.


Als Eltern müssen wir also genau hinsehen, ob unseren Kindern etwas fehlt, ob etwas zu viel ist, oder ob man einfach mehr Zeitgeben kann.

    Teilen