Lehrer: Digitalisierung können wir nicht

Digitalisierung findet nur auf dem Schulhof statt. Wenn unsere Kinder und Jugendliche zwischen den Schulstunden zum Handy greifen, dann sind sie schon allein damit den meisten Lehrkräften weit voraus.


Eine Lehrkraft, mit der wir im Gespräch sind, beichtet uns „Wir können Wissen, das wir selbst nicht haben, auch nicht weitergeben. In den Ministerien versteht das nur keiner.“ Natürlich nutzen auch Lehrer Facebook, Twitter oder schlichte die Informationsquelle Internet im täglichen Leben.


„Die sozialen Netzwerke sind so konzipiert, dass es nicht viel braucht, um damit umgehen zu können. Und genau darum geht es bei der Digitalisierung eigentlich gar nicht. Es geht darum, wie man mit Windows arbeiten kann. Oder das Thema Office: Wie erstelle ich mit Word Vorlagen? Was kann Excel leisten? Grundlegende Dinge, die heute in jedem Unternehmen gefragt sind, können wir unseren Schülerinnen und Schülern nicht beibringen“ erzählt uns die Lehrkraft.


Immer öfter reichen die Grundkenntnisse über Office nicht. Schon im Bewerbungsgespräch für einen Ausbildungsplatz wird das digitale Wissen abgefragt. Wer weiß, wie man in Excel Formeln und Makros programmiert, hat den Ausbildungsplatz so gut wie sicher – weil die Anzahl der Bewerber, die das können gegen Null geht.

„Wir sind als Lehrer in Deutschland kaum in der Lage, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, was es bedeutet selbst ein kleines Programm zu programmieren. Wie soll ich den Teenagern ein Erfolgserlebnis ermöglichen, wenn wir selbst nichts wissen?“ fragte uns die Lehrerin.


Natürlich gibt es Fortbildungsmöglichkeiten. Aber viele Lehrkräfte werden nur noch befristet eingestellt. Die haben praktisch keine Chance auf Fortbildungen zu gehen. Man kann das beantragen, aber meist erhalten die Lehrinnen und Lehrer nicht mal eine Antwort. Zu viel Bürokratie, zu viele Bewerber um 6 Fortbildungsplätze.


Ein anderer Informatiklehrer macht klar: „Bei uns laufen noch uralte PCs mit Windows XP. Das hat kein Schüler mehr zuhause stehen. iOS X oder Windows 10. Das ist der Stand der Dinge. Unser Equipment ist von 2004. Ich habe Schüler, die bringen ihre eigenen Notebooks mit. Die haben Potential. Und eigentlich gucke ich mir viel von denen ab, und nicht die von mir. Ich hoffe die merken das nicht irgendwann mal.“


Ein Schulrektor wird konkret: „Eigentlich dürfen wir über solche Dinge nicht sprechen. Aber die Situation bei uns ist die, das ich vor einem halben Jahr Beamer anschaffen wollte. Die haben wir aus Kostengründen nicht bekommen. Und seit einem Gewitter hoffe ich eigentlich nur noch, dass der Sturm- und der damit einhergehende Wasserschaden in der Turnhalle endlich repariert wird. Aber da kommt wohl nichts mehr.“

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